Geschichte über Bäckerstrasse 12 in Wien

“Kleine Information zum Bürgerhaus” 1010 Wien, Bäckerstrasse 12 (vormals Nr. 762)

Die Wiener Strassenbezeichnung, “Bäckerstrasse” geht bis an den Anfang des 14. Jahrhunderts zurück und beweist uns dadurch, dass an diesem Orte nahe der alten Universität das Bäckerhandwerk vorzugsweise ausgeübt worden ist. Sie findet als “Obere Peckenstrasse” in den ältesten Grundbüchern urkundliche Erwähnung.

Unser “Bürgerhaus” mit der weiten Einfahrtshalle in der Inneren Stadt, Bäckerstrasse 12, stammt in seinem Baukern aus dem 15. Und 16. Jahrhundert, Über dem Portal im 1. Stock befindet sich ein auf Konsolen liegender Renaissenceerker mit 2 Fenstern. Bäckerstraße_1._Bezirk_Wien_

1775 wurde das Bürgerhaus (damals auch “gräfliches Nimptschpalais” genannt) von Charlote Gräfin von Nimtsch erworben und blieb bis ins 20. Jahrhundert im Eigentum ihrer Erben. Im Jahre 1823 erhielt es durch Umbau dann seinen heutigen Gestalt.

Bis zum Jahr 1797 war an der Fassade ein altes Hauszeichen mit der halbverwitterten Aufschrift – “Allwo die Kuh am Brett spiel” – zu sehen, dieses verschwand danach unter Putz und wurde nach seinem Wiederauffinden im Zuge von Restaurierungsarbeiten um 1978 freigelegt.

Bei dem aus unserer heutigen Sicht bei erstem Betrachten unverständlichen, wenn auch erheiterndem Motiv des alten Hauszeichens könnte es sich um Symbolik aus der Zeit nach der Gegenreformation, also um den Streit zwischen Protestanten und Kahtoliken im 17. Jahrhundert handeln. Die an der Fassade gut sichtbare bebrillte Kuh am Spielbrett symbolisiert in dieser Lesart die Katholiken bei gefährlichem Spiel mit den listigen – als Fuchs dargestellten – Protestanten.

In weiter, romantischer Deutungsversuch des Hauszeichen ergibt sich aus einer Wiener Sage: der gestrenge Stadtrichter von Wien, Herr Hieronymus Kuh, wohnhaft in unserem Bürgerhause, liebt es, in der Laube am Haustor mit seinem häufigen Gast, wohl einem jüngeren Herren, Dame zu spielen. Durch diese regelmäßigen Besuche zum Brettspiel im Herrn Kuh soll es dem Herrn dann auch gelungen sein, das Herz der liebenswerten Tochter des Stadtrichters Kuh zu erringen. Wechselvolle Geschichte: Ende des 2. Weltkrieges erlitt das Haus einen Bombentreffer.